ARS MAGICA
In welchem deiner Finger steckt die Magie?

Reisen im Mittelalter

Reisen war im Mittelalter wohl durchaus nicht ganz unüblich, wobei sich die Wissenschaft bis heute unklar ist, wie viele Leute tatsächlich auf Europas Straßen unterwegs waren und zu welchem Zweck. Insgesamt lässt sich sagen, dass eine Reise und die Erfahrung in der Fremde dem mittelalterlichen durchaus vertraut waren.

Wer reist im 13. Jahrhundert?

Dazu sagt Peyer: "sehr viele [reisen] relativ wenig". Reisende sind:

  • Herrscher, Adelige, Bischöfe, Fernkaufleute
  • Ordensritter, Söldner
  • Studenten, Gelehrte, Gesellen
  • Pilger, Kleriker
  • Kuriere (Läuferboten), Fuhrleute, Viehtreiber
  • Handwerker (v.a. Spezialisten wie Bergleute oder Baumeister, aber auch Metzger, die zum Viehkauf unterwegs waren)
  • Spielleute, fahrendes Volk

Inwieweit Bauern reisten, ist eine offene Frage. Generell gilt im 13. Jh. im Gegensatz zu früheren Zeiten: Man reist nicht mehr das ganze Leben, Reisen ist ein seltenes Ereignis, das in bestimmten Lebensphasen eintreten kann. Somit werden die Charaktere vielen Leuten begegnen, die "früher einmal gereist sind".

Motivation zu reisen

Neben den klassischen höfischen Reisen und militärischen Unternehmen, gab es vor allem Pilger, die in der Zahl eine nicht unbedeutende Gruppe waren. Aber auch wirtschaftliche Gründe spornten Leute zum Reisen an - Fernkaufleute trieben Handel in fremden Städten, Handwerksgesellen waren auf Wanderschaft. Hochbezahlte Spezialberufe, wie Bergarbeiter oder Baumeister, waren auch dazu prädestiniert, auf Wanderschaft zu gehen - diese beiden Berufsgruppen bildeten deshalb schon schnell eruopaweite Gruppierungen mit einigermaßen einheitlichen Aufnahme-, Ausbildungs und Arbeitsregelungen. Ähnliches galt jedoch auch bei Geistliche und gebildeten Leuten (z.B. in Universitäten - wobei diese ja auch im geistlichen Stande waren). Diese waren häufiger angehalten, ihren Lebensmittelpunkt zu verlagern, um Forschungen voranzutreiben, zu predigen, zu arbeiten, usw.

Straßen und Wege

Das 12. Jahrhundert musste die Straße gerade zu neu entdecken, war das Wegenetz im frühen Mittelalter doch relativ stark verfallen. Seit dem 13. Jahrhundert wird das Straßennetz wieder ausgebaut, Brücken gebaut und Wege ausgebessert. Dennoch sind die Straßenverhältnisse eher schlecht, es müssen Umwege oder Wartezeiten in Kauf genommen werden, je nach Wetter oder politischer Lage.

Wege folgen zumeist dem topographischen Gegebenheiten, wo dies nicht möglich ist, werden die Straßen zumeist als "böse" empfunden. Dies ist bei zahlreichen Anstiegen oder vielen Gewässern der Fall.

Durch das Gebirge führen Saumwege - Pässe sind relativ zahlreich, die meisten sind jedoch sehr anstrengend und im Winter praktisch unpassierbar. In vielen Fällen ist die Reise dort (wie auch anderenorts) nur mit Hilfe gemieteter Führer möglich (in den Alpen werden diese Maronen genannt).

Bei guten Straßenverhältnissen kann man an einem Tag theoretisch bis zu 60 Kilometer zurücklegen, durchschnittlich sind es jedoch 20-40. In der Stunde schafft ein Fußgänger bei gutem Tempo 6 Kilometer, 4 bei gemächlichem Gang. Mehr als 40 Kilometer sind für den ungeübten eine sehr große Anstrengung (in der Regel wird man beim Reisen eher mit kurzen Etappen beginnen und diese dann steigern).

Gasthäuser befinden sich entlang von Reiserouten ungefähr im Tagesabstand von drei bis fünf Meilen (1 Meile = ca. 7,5km, die Etappen sind also ca. 20-40 km lang).

Flüße und Wasserstraßen

Bequemer und oft schneller als der Landweg sind häufig die Wasserwege. Zwar flossen die Flüsse normalerweise langsamer als heute, doch konnten tagsüber große Entfernungen zurückgelegt werden. Flußreisen waren auch verhältnismäßig ungefährlich, auch wenn es gefährliche Strudel, Brückenpfeiler, Felsen und Stromschnellen gab. Übernachtet wurde an Land (in vielen Fällen befinden sich dann auch Gasthäuser am Flußufer). Flußreisen wurden vor allem dort wahrgenommen, wo der Landweg besonders beschwerlich erschien. Flußaufwärts zu reisen war eher beschwerlich, obwohl es an manchen größeren Strömen Treidelwege am Ufer gab, um Boote wieder flußaufwärts zu ziehen.

Gefahren

Wie gefährlich das Reisen definitiv war, ist deshalb nicht bekannt, weil die Meinungen darüber stark auseinander gehen. Aber die Fälle sind durchaus zahlreich, in denen von Überfällen und anderen Unbillen die Rede ist. Manche Gegenden sind deshalb nicht sicher, weil beispielsweise mächtige Familien dort Fehden austragen, so dass nicht einmal bewaffnete Reisende besonders sicher sind.

Möglichkeiten, das Risiko zu reduzieren, gab es einige: Man konnte ohne Waren oder Wertgegenstände reisen (zumindest ohne augenfällige). Einfache Kleidung verringerte das Risiko, überfallen zu werden. Umwege konnten in Kauf genommen, Gruppen mehrerer Reisenden gebildet werden. Manche Reisende nahmen auf dem Hinweg Kredite auf, die sie auf dem Rückweg zurückzahlten. In vielen Gegenden gab es das "Geleit", welches von Geleitsherren ausgeübt wurden (Inhaber des Geleitrechts, einem zumeist königlichen Privileg). Im Idealfall stellte dieser bewaffnete Begleiter, die die Reisenden beschützten, auch wenn dies in vielen Fällen dem reisenden erhebliche Kosten verursachte - es gibt aber auch Fälle von "Taschengeleit", in denen nur das Geld ohne Gegenleistung eingestrichen wurde...

Zölle und Unkosten

Neben dem gerade angesprochenen Geleitkosten gab es noch weitere Unkosten, die dem Reisenden oft Probleme bereiteten: der Zoll. Theoretisch war die Sicherheit des Weges mit der Erhebung von Zöllen verbunden, wobei dieser Zusammenhang sich im Laufe des Spätmittelalters so weit verflüchtigte, dass der Zoll Reisenden eher als Wegelagerei erscheinen musste. Zollstellen waren relativ häufig - Reisdene konnten sich jedoch auch von Zöllen befreien lassen (oder die Gebühren gegen Vorlage bestimmter Briefe zurückfordern). Pilger waren generell von Zöllen befreit, bei Händlern kam es stark auf die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Stadt oder einem Land an (gegenseitige Befreiung von Zöllen war häufig, Könige konnten für ausländische Händler ihre Märkte dadurch leichter öffnen). Der Straßenzwang sorgte dafür, dass man sich an den Wegverlauf hielt (rechtliche Grundlagen sind z.B. im Sachsenspiegel verzeichnet).

Pilger konnten in der Regel fast mittellos reisen. Andere mussten neben Zöllen, Geleitabgaben und Übernachtungsgebühren noch mit weiteren Kosten rechnen: Essen, Heuer für Fuhrleute oder Bootsführer, Entgelte für Ortskundige und Lotsen. Wer Pferde mit sich führte, musste mit hohen Kosten rechnen, da Nahrung, Stallmiete, Transport (z.B. über Flüsse) und Pflege erstaunlich hohe Summen verschlangen.

Literatur

  • Ohler, Norbert: Reisen im Mittelalter, München 1991.
  • Reichert, Folker: Erfahrung der Welt. Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter, Stuttgart 2001.